Zu den Zeiten der Großen Weltwirtschaftskrise lebte ein reicher und
mächtiger Unternehmer. Sein Imperium war endlos. Es reichte weiter,
als das Auge sehen konnte: über jedes der Weltmeere und jeden Kontinent
dieser Erde.
Von seiner weitläufigen, luxuriösen Villa aus kontrollierte er eine
Unzahl erfolgreicher Unternehmen, die alle füreinander produzierten
und voneinander profitierten. Hunderttausende Menschen arbeiteten für
ihn, er bestimmte über sie und ihr Leben. Er war ein wahrer Meister
des Lebens, der Macht und der Manipulation. Er war ein scheuer und zurückgezogener
Mann, der sich nur mit dem Feinsten vom Feinsten umgab. Er bewohnte
die eleganteste Villa, umgab sich mit kostbaren Kunstwerken und Antiquitäten,
verwöhnte sich mit der besten Küche und exquisitem Wein aus seinen eigenen
Anbaugebieten. Eine große Dienerschaft kümmerte sich um jeden seiner
Wünsche. Alles was er sah, berührte oder hörte war von allerhöchster
Qualität.
Sein größter Schatz war jedoch sein Privatzoo. Es war der größte der
und vollständigste Privatzoo auf der ganzen Welt. Obwohl er niemals
Besucher empfing, wurde er von Zoologen auf der ganzen Welt beneidet.
Eines Tages berichtete ihm ein Diener von einem versteckten und abgeschiedenen
Tal auf dem asiatischen Kontinent, in dem scheue, auf dieser Welt einmalige
Tiere lebten. Von einem hohen Turm aus beobachtete er die Tiere auf
den offenen Feldern seines Zoos. Und er dachte sich: "Diese seltenen
Tiere im Tal wären sie passende Krönung meiner Sammlung."
Also rief er seine Diener zusammen und organisierte eine Expedition
zu den abgelegenen Bergen, dorthin, wo diese seltenen Tiere den Erzählungen
nach lebten.
Nach langer Zeit erreichte er ein isoliertes Dorf tief in den Himalajas.
Die Jäger dieses abgelegenen Gebietes lachten ihn aus, als sie von seinem
Vorhaben hörten. Sie erzählten ihm, kein Mensch, nicht einmal diejenigen,
die seit Generationen hier lebten und jagten, könnte je hoffen, diese
wilden und scheuen Tiere zu fangen.
"In einem Monat werde ich zurückkehren," sagte er den Dorfbewohnern.
"Ich werde alle diese Tiere fangen. Ich bitte nur um einen Begleiter,
der mir zeigt, wo sie leben." Nach einem Monat kehrte er mit leeren
Händen zurück. Die Dorfbewohner lachten ihn aus und verspotteten ihn.
Er aber sagte nur: "Kommt mit mir."
Er führte sie hinauf zu einer Wiese hoch in den Bergen. Die Dorfbewohner
standen und starrten auf eine unglaubliche Szene. Dort, vor ihnen, grasten
Hunderte dieser seltenen Tiere, sicher eingezäunt in einem hohen Korral.
Der Mann erklärte, wie er vorgegangen war.
Am ersten Morgen stellte er Futter und Heu in die Mitte der Wiese.
Am nächsten tag tat er das gleiche, am nächsten wieder und am nächsten
wieder, jeden Tag legte er frisches Futter und Heu aus. Bald kamen die
Tiere und fraßen. Am Anfang nur wenige, aber jeden Tag kamen einige
mehr als am Vortag. zum Schluss graste die ganze Herde auf der Wiese.
Abends grub er Löcher für die Zaunpfosten aus und stellt zwei oder
drei Pfosten pro Nacht auf. Als alle Pfosten im Kreis aufgestellt waren,
begann er, die Zaunlatten daran zu befestigen. Zunächst befestigte er
die bodennahen Latten, damit die Tiere darüber springen und zum Futter
und Heu gelangen konnten. Jeden Abend befestigte er neue Latten, und
die Wände des Korrals wurden höher und höher. Bald konnten die Tiere
nur durch eine kleine Öffnung im Zaun auf die Wiese gelangen.
Am Abend des 29. Tages baute er ein Tor. Am letzten Tag des Monats,
nachdem alle Tiere durch die schmale Öffnung hindurchgeschlüpft waren,
schloss er das Tor. Er hatte die Tiere eingefangen, bevor sie überhaupt
begriffen, was geschah.
Den erstaunten Dörflern sagte er: "Ich kann jedes Tier einfangen, indem
ich es von mir und meinem Futter abhängig mache. Mit den Menschen ist
es dasselbe. Es ist ein fairer Tausch. Ich gebe Ihnen Nahrung, sie geben
mir dafür ihre Schönheit und Freiheit. darin liegt die Quelle meines
Reichtums und meiner Macht."
von John Kalench.