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Optiker Fielmann als Parade-Beispiel: Wer konsequent an die Kundschaft
denkt, hat auch Chancen auf nahezu gesättigten Märkten.
Der Wille, den Kunden zu dienen, ihnen zu nutzen, ist für die Champions
selbstverständlicher Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie. Die erfolgreichen
Unternehmer halten es mit Seneca: "Wer anderen nützt, nützt sich selbst."
Oder mit Fredmund Malik, der die Lebensweisheit des römischen Philosophen
in die Management-Sprache übersetzt und fordert: "Optimieren Sie den Kundennutzen,
statt sich nur auf den Gewinn zu konzentrieren."
Kundennutzen ist für die Unternehmer-Champions mehr als ein Schlagwort.
Denn sie haben einen einfachen Zusammenhang verinnerlicht: Es sind die
Kunden, die über den Unternehmenserfolg entscheiden. Je mehr die Kunden
kaufen, je mehr sie bereit sind, den geforderten Preis für Ihr Produkt
oder Ihre Dienstleistung zu bezahlen, desto größer ist Ihr Erfolg.
Nun werden die Kunden aber auf Dauer nur kaufen, wenn Ihr Produkt ihnen
im Vergleich zu konkurrierenden Angeboten einen Nutzen bringt. Deshalb
ist das Denken in Kundennutzen so wichtig. Nicht was Sie können und wie
gut Sie es können, entscheidet über den Unternehmenserfolg, sondern Ihre
Fähigkeit, die Probleme Ihrer Kunden zu erkennen und besser als andere
zu lösen.
Für Unternehmer, die radikal in Kundennutzen denken, gibt es immer wieder
neue Chancen, auch in etablierten und reifen Märkten. Denn sie haben einen
mächtigen Verbündeten - den Kunden. Bevor Günther Fielmann in den Markt
eindrang, war das Geschäft der Optiker ein beschauliches Reservat. Für
den Kunden war das keineswegs nur von Vorteil: Vor allem, wer wenig Geld
hatte, musste mit hässlichen Krankenkassengestellen vorlieb nehmen. Und
genau da setzte Fielmann an. Er gründete die erste große Optikerkette,
bündelte die Nachfrage, realisierte die mit der Größe verbundenen Kostenvorteile
und gab sie an seine Kunden weiter. Und da die Kunden plötzlich auch für
wenig Geld schöne Brillen kaufen konnten, machten Sie Günther Fielmann
zu einem der erfolgreichsten Unternehmer der letzten Jahre.
Auch Sam Walton verdankt seinen Erfolg der konsequenten Orientierung
am Kundennutzen. Als Walton 1962 seinen ersten Wal Mart in dem kleinen
Städtchen Bentonville, im Nordwesten von Arkansas, eröffnete, ging es
ihm darum, auch der Landbevölkerung günstige Einkaufsmöglichkeiten zu
verschaffen. Bis zum Auftreten von Wal Mart hatten sich die großen Handelsketten
praktisch ausschließlich in den Ballungsgebieten angesiedelt. Wer auf
dem Lande wohnte, musste teuer einkaufen. Wal Mart setzte dieser Diskriminierung
ein Ende und wurde dabei zum erfolgreichsten Handelsunternehmen der Welt.
Nicht jeder ist ein Fielmann oder ein Sam Walton. Aber jeder Unternehmer
sollte verstehen, dass sein Erfolg nur so groß sein kann, wie der Nutzen,
den er für seine Kunden stiftet. Für viele Mittelständler bedeutet dies
radikales Umlernen. Der traditionelle Mittelständler denkt nicht vom Kunden,
sondern von den eigenen Fähigkeiten her. Nicht was der Kunde braucht,
sondern was er kann, bestimmt sein Angebot. In den ersten Nachkriegsjahren,
als die Nachfrage stets größer war als das Angebot, ging diese Rechnung
auf. Inzwischen aber haben sich die Verhältnisse umgekehrt.
Für viele Mittelständler ist es an der Zeit, daraus die richtigen Konsequenzen
zu ziehen und stärker als bisher in Kundennutzen zu denken. Dabei muss
ich einem verbreiteten Missverständnis entgegentreten. Das Denken in Kundennutzen
bedeutet nicht, den Kunden jeden Wunsch zu erfüllen und das eigene Profil
bis zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Richtig verstandene Kundenorientierung
beinhaltet vielmehr das Versprechen, den Kunden im Rahmen einer eigenen
unverwechselbaren Kompetenz einen speziellen Vorteil zu bieten - und dies
möglichst besser als alle Wettbewerber. Nehmen Sie sich ein Beispiel an
Aldi. Der Discounter Nummer eins steht für das Versprechen, die Massenartikel
des täglichen Bedarfs in markenadäquater Qualität zu einem konkurrenzlos
günstigen Preis anzubieten. Bei Aldi kann man nicht alles kaufen. Aber
das, was man bekommt, ist konkurrenzlos günstig. Kundenorientierung heißt
nicht, es allen recht zu machen. Wer es allen recht machen will, wird
es am Ende niemandem recht machen. Machen Sie es einigen recht, denen
aber richtig.
Von Peter May - Der Autor ist Gründer der Intes Beratung für Familienunternehmen
in Bonn und Professor für Betriebswirtschaftslehre mittelständischer Unternehmen
an der FHDW in Bergisch Gladbach.
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